So lästig mir das Maskentragen im allgemeinen ist, so froh bin ich doch immer wieder, dass ich eine FFP2-Maske habe. Denn sie öffnet mir immer wieder die Tür ins Pflegeheim, um eine Frau aus unserer Kirchengemeinde überhaupt besuchen zu können. Die Freude über unsere Gemeinschaft übertrifft das Unbehagen bei weitem, und der Abschiedssegen, den ich ihr spende, versöhnt auch mich mit meiner Maske.

Schon länger erinnert mich der Heilige Geist an einen Gottesmann, der eine Maske tragen musste. „Echt ätzend.“, denke ich im ersten Moment und schiebe den Impuls so schnell zur Seite wie ich meine Maske nach dem Besuch im Pflegeheim in meine Tasche stecke. „Nicht auch noch du, Heiliger Geist!“ Aber die 3. Person Gottes lässt nicht locker, und so schlage ich in der Bibel nach, wo steht: Mose verhüllte sein Gesicht mit einem Tuch (Ex 34,33).

Ich frage mich: „Weshalb musste einer der größten Gottesmänner der Juden eine Maske tragen?“ Schnell klärt sich auf, dass es nicht um eine medizinische Maske geht, sondern eher um eine Schutzmaske für Schweißer – aber mit umgekehrter Schutzfunktion. Nicht Mose musste sich vor gleißendem Licht schützen, sondern die Menschen, denen er die Gebote Gottes brachte, konnten das gleißende Strahlen seines Gesichtes nicht ertragen. Sie brauchten Schutz vor der Blendung ihrer Augen. Es war so, als würden sie direkt in die Sonne sehen.

Was war geschehen? Mose war 40 Tage auf dem Berg Sinai gewesen und hatte mit Gott über die Zukunft des Volkes Israel gesprochen und einen moralischen Kodex fürs Zusammenleben erhalten. Die Herrlichkeit Gottes hatte gleichsam wie Radioaktivität auch Mose zum Strahlen gebracht. Die Reststrahlung nach seiner Rückkehr war so stark, dass die Israeliten Angst bekamen und Mose sein ganzes Gesicht verhüllen musste. Ein Mund-Nasen-Schutz hätte nicht ausgereicht.

Mose war hinter einer Maske verschwunden und sein Gesicht nicht mehr zu sehen. Die Menschen fürchteten sich, in seine Nähe zu kommen. Dabei hatte er keine ansteckende Krankheit, keinen Aussatz, er war „nur“ Gott begegnet. – Auch unsere Menschlichkeit scheint hinter einer medizinischen Maske verschwunden zu sein. Wir erkennen einander kaum noch aus der Ferne, beim Reden fehlt die Mimik, vor allem das Lächeln ist verloren gegangen.

Dieses Zulächeln ist es, das wir als Freundlichkeit wahrnehmen, als Ermutigung verstehen, als Zuwendung begrüßen. Ist das Lächeln tatsächlich weg? Bei mir nicht, ich kann es hinter meiner Maske immer wieder spüren. – War Gottes Freundlichkeit hinter dem Tuch des Mose verschwunden? Nein, Mose konnte sie jedes Mal im „Zelt der Begegnung“ erleben.

So kann die „Suche nach Menschlichkeit hinter der Maske“ eine Metapher sein für die „Suche nach Gott hinter dem Tuch der religiösen Traditionen und Verfehlungen der Kirche“.

Gottes Freundlichkeit ist da und hat einen Namen: Jesus.

Seid herzlich gegrüßt, Jürgen

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